Ist Nachbau böse oder eine gute Alternative?

Das ist jetzt mal die Frage.

Oft ist bei Paleo und auch bei Ketogener Ernährung die Rede von Nachbauten und oft sind die bei den Hard-Core-Leuten etwas ganz böses und schwer verpönt.

Ich meine, es ist eine Frage der Perspektive und wie alles im Leben ist nichts nur schwarz und nur weiß.

Ich breche jetzt keine Lanze dafür, eine Ernährungsumstellung zu machen und dann alle möglichen bislang „ungesunden“ Gewohnheiten und Lebensmittel mit Nachbauten, auch Fake-Lebensmitteln genannt, auszutauschen um munter weiter machen zu können wie bisher.

Das ist ganz sicher keine Ernährungsumstellung. Sie verändert auch nicht das Bewußtsein für gute und echte Lebensmittel.

Aber ich habe auch eine Abneigung gegen Verbote und dagegen eine gesunde Ernährung zu einer Religion zu machen, die dann schon an Fanatismus grenzt. Essen soll Spaß machen und soll Genuss sein. Da gehören keine Verbote hin.

Je länger wir eine gesunde Ernährungsweise umsetzen, umso mehr stellen wir fest, dass wir Lebensmittel die wir früher mal gern gegessen haben, auch gar nicht mehr essen wollen. Wir wissen, dass sie nicht gut sind für uns und ..... zumindest bei mir, hat sich da inzwischen sogar teilweise ein Widerwillen eingestellt.

Als ich meine Ernährungs umgestellt habe, habe ich nicht passende Vorräte zum großen Teil in der Familie oder an Freunde verschenkt. Heute würde mir auch das schwerfallen.

Warum? Nun, ich möchte mich gut ernähren und mute dann anderen Lebensmittel zu, von denen ich heute weiß, dass sie zu denen gehören, die für keinen Menschen gut sind. Familie und Freunde können doch nicht mein Entsorgungsdepot sein.

Aber das sind persönliche Entwicklungen die sich mit der Zeit von selbst einstellen und die man zu Beginn einer Umstellung nicht übers Knie brechen kann.

Was sind denn nun Nachbauten oder Fake-Lebensmittel?

Dazu zählen Kuchen, Brot, Schokolade, Desserts (auch Schlabberkram genannt) die mit konformen, also zur Ernährungsweise passenden Lebensmitteln, hergestellt werden. Also Kuchen aus Nussmehlen oder Kochbananenmehl, Schokolade aus Kakaobutter, Kokosöl und gutem Kakaopulver mit Süßungsmitteln.

Natürlich sollen wir nicht jeden Tag Kuchen und Schokolade essen. Auch Ersatzbrot ist die weniger gute Alternative zu Gemüse, Fleisch, Eiern, Fisch.

Nur..... wer bis zur Umstellung morgens sein Marmeladenbrötchen gegessen hat, kann sich schwer vorstellen, morgens Fisch mit Gemüse oder Eier mit Speck zu essen.

Wer morgens Flockenmüsli mit Joghurt gegessen hat, dem geht es ähnlich. Überhaupt ist es für Süßfrühstücker etwas schwieriger, sich plötzlich herzhafte Alternativen beim Frühstück vorzustellen.

Die deftigen Typen haben es da etwas leichter.

Genauso ist es, wenn es zu einem Genuss-Ritual gehört, dass am Samstag und Sonntag Nachmittag ein Stück Kuchen mit Kaffee im Kreis der Familie einfach zum Wochenende gehört.

Und dann komme ich daher und sage: alles verboten – gibt’s nicht mehr.

Und Ihr denkt: naja, o.k. für die paar Wochen einer Diät kann ich drauf verzichten.

Also, alles wie gehabt. Für eine kurze Zeit, als Diätvorschrift mit Blick auf das Ende der Diät.

Nee – eben nicht.

Mit Leichtigkeit gesund und schlank seine Bestform zu leben und dafür auf eine Optimal-Ernährung umzusteigen, ist keine Diät.

Und wenn ich Euch auf Dauer Kuchen, Brot, Nudeln usw. „verbiete“, dann zeigt Ihr mir zu Recht nen Vogel.

Also nochmal:

Nachbauten sind Alternativen statt Verzicht.

Sie sind keine Dauerernährung und sollten auch nicht ständig im Ernährungsplan enthalten sein, also eher sparsam als Ausnahme genutzt werden. Natürlich müsst Ihr aufpassen, dass die Ausnahmen nicht überhand nehmen.

Nachbauten sind aber auch für den ein oder anderen unter Euch eine Hilfestellung beim Einstieg in die Ernährungsumstellung.

Jedenfalls war das bei mir so. Zu Anfang habe ich sehr viel Brotalternativen gebacken, um morgens mein Brötchen bei zu behalten. Und als Süßfrühstücker habe ich dazu auch alternative Nugat-Creme aus Haselnussmus und Sahne mit etwas Süßungsmittel gerührt. Oder aus gerösteten Nussmischungen ein Nussmüsli gemacht, das ich in griechischem Joghurt dann statt des Flockenmüslis gegessen habe.

Genau! Ich war es gewohnt, am Wochenende nachmittags Kuchen zu essen und zu Anfang habe ich den dann mit Nachbau-Rezepten erstmal bei behalten.

Mir haben diese Alternativen geholfen, meine Umstellung hinzukriegen. Auf diese Weise gab es keine Verbote und keinen Verzicht, sondern Alternativen die meine Umstellung nicht sabotiert haben. Dadurch fiel es mir viel leichter „dran zu bleiben“

Mit der Zeit werden diese Alternativen immer unwichtiger. Das liegt auch daran, dass wir mit der Zeit immer kreativer mit unseren Rezepten und Kombinationen der echten Lebensmittel werden. Die schmecken uns so gut und machen uns so gut satt, dass dann ein Stück konformer Kuchen zur echten Ausnahme wird, wenn ein Familienfest ansteht.

Vergessen wir nicht, dass Feste in der Familie und Einladungen bei Freunden auch eine soziale Komponente haben, die für uns genauso wichtig ist, wie gutes und richtiges Essen. Ich wollte mich da nie ausschließen und ich denke die meisten von Euch auch nicht. 

Dann wollen wir uns nicht von den anderen ausschließen und backen dafür dann eine gesunde Alternative, die übrigens manchmal den anderen plötzlich auch besser schmeckt als das Gewohnte.

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